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Wir schreiben das Jahr 1987. Ort des Geschehens: Leipzig. Zu jener Zeit ist die Mauer noch alltägliche Wirklichkeit. Nicht bunt bemalt und mit Sprüchen besprüht, sondern tödliche Konsequenz einer verunsicherten Diktatur. Der Arbeiter- und Bauerstaat tritt auf der Stelle. Lähmende Agonie macht sich breit. Oberflächige Gleichschaltung und graues Einerlei auf weiter Flur. Aber im Keller regt es sich. Eine vielfältige Künstlerszene findet einen inspirierenden Nährboden. Und ein Publikum das hungrig ist. Und alles aufnimmt. Mit den Ohren, mit den Augen, mit dem Bauch. Ein fein vernetztes Paralleluniversum aus Malern, Musikern, Schreibern – das Mittelerde der DDR – lebt. Argwöhnisch beobachtet und unterwandert von den kurzsichtigen und überheblichen Machthabern. Die haben seit Perestroika und Gorbatschow panische Angst vor dem Verlust ihrer fetten Privilegien. Unbelehrbar verpassen sie eine letzte Chance. Nur 23 Monate später sollte der Stadt – kaum vierzig Jahre alt – implodieren. Doch davon ahnte in den späten Herbsttagen des Jahres 1987 niemand etwas.

Drei junge Menschen machten sich auf, ihrem Leben einen neuen Sinn zu geben: Sie gründen eine Band. The Real Deal. Die Burschen waren keineswegs Neulinge auf diesem Gebiet, seit 1986 schon musizierten sie gemeinsam mit anderen in einer Rock-Funk-Jazz-Blues-Formation. Besaßen die für öffentliche Auftritte notwendige „Einstufung“ (Oberstufe mit Konzertberechtigung). Hatten neben vielen Konzerten sogar einen Live-Mitschnitt des Rundfunks der DDR zu verbuchen und waren trotzdem nicht glücklich. Es lief nicht mehr rund. Zu viele Köche verdarben den musikalischen Brei. Etwas Neues musste her. Laut. Ungestüm. Unfertig. Frisch. New Wave. Punk. Reggae. The Real Deal war geboren. Geprobt wurde in Leipziger Abrisshäusern, gespielt wurde überall, wo sich Gitarre, Bass, Schlagzeug und Verstärker unterbringen ließen. Mal vor 20 Menschen in einem Miniclub, oder vor 400 Leuten in einem Kino. So kam man im Laufe der Zeit viel rum im kleinen Land. Leipzig, Dresden, Weimar, Magdeburg, Erfurt und immer wieder Berlin, um nur einige Stationen zu nennen. Aus Mangel an unabhängigen Plattenfirmen – einzig und allein das staatliche Label Amiga entschied, wer eine Platte aufnehmen und veröffentlichen durfte – entwickelte sich eine florierende Tapeszene. Kassetten, im Proberaum aufgenommen oder bei Auftritten live mitgeschnitten, wurden während der Konzerte verkauft und gingen oftmals danach noch durch viele Hände, um immer wieder überspielt zu werden. Auch die Kassetten-Cover waren natürlich Handmade: Nicht nur kein Kopierladen um die Ecke, sondern gar keiner, nirgends! Also war oftmals – wenn nicht ein gutgesinnter und kunstverständiger Westbekannter bei der Vervielfältigung aushalf – jedes Cover-Artwork ein Original! Auch unsere drei Leipziger Helden ließen sich nicht lumpen: Vier Tapes hinterließen sie der staunenden Nachwelt.

"The Real Deal" erschien noch Ende 1987 (wurde im Frühjahr 1988 aufgrund der schlechten Aufnahmequalität teilweise neu eingespielt), im Herbst 1988 folgte "Nobody’s Perfect", ein Livetape mit dem schönen Namen "By The Wall" (der Mitschnitt eines Konzertes in Berlin innerhalb der Reihe X-MAL-MUSIC-ZUR-ZEIT) lies im Februar 1989 die Herzen der Fans höher schlagen (das Artwork hierzu stammte übrigens vom Leipziger Fotokünstler Michel du Chesne, der die Band auch sonst immer wieder bei Livekonzerten ablichtete). Im April 1989 schließlich erschien "Save Our Souls" – kurze Zeit später löste sich die Band auf.

Bis auf das Livetape wurden alle Songs im Proberaum in der Auenstrasse aufgenommen (Anmerkung: die Songs der ersten Fassung von The Real Deal wurden im Klubhaus „A. Hoffmann“ in der Steinstrasse eingespielt). Die Aufnahmetechnik war natürlich weit entfernt von dem, was heute als Standard einzuschätzen ist: Keine Mehrspurgeräte (wenn überhaupt, dann zu astronomischen Preisen auf dem Schwarzmarkt erhältlich), alles wurde live über einen 6-Kanal-Vermona-Mixer in ein stinknormales JVC-Kassettendeck gejagt! Mono! Keine Overdubs! Dabei übernahm Cairo den Part des Aufnahmeleiters und „Vormixers“. Immerhin war man weitsichtig genug, Chromkassetten (BASF 60 CR-E II – für die Nostalgiker unter uns) für teuer Westgeld im Intershop zu besorgen. Aber: der Platz war rar! Das heißt, es sind jeweils nur wenige Takes der einzelnen Songs – im Schnitt zwei – erhalten. Die Musik hat also, neben ihrer rauen, noisigen Klangstruktur, einen gewissen unfertigen Charme. Mittlerweile ist ein Großteil der vorhandenen Aufnahmen digitalisiert, wobei fast immer auf die analogen Originaltapes zurückgegriffen werden konnte. Ein paar Eindrücke gibt es unter SONGS zu hören. Ach ja, nachdem die Band im Mai auseinander ging und ein paar Wochen später in sämtliche Himmelsrichtungen verschwand – ging es ungefähr so weiter (Auszug aus einem Flyer von 1998): „Und das Ende? Das ist schnell erzählt: Reininghaus verlor bei jenem Magdeburger Auftritt beide Arme (er hat sie bis heute nicht wieder gefunden), Müllers schon immer latent vorhandene Liebe zu seinem Schlagzeug steigerte sich plötzlich ins Unermessliche - er weigerte sich es fortan zu schlagen. Und Kaiser? Der nannte sich Herr Kaiser und wurde medienbekannter Mitarbeiter in einem großen Hamburger Versicherungsunternehmen (...). Na ja, vielleicht war es nicht ganz so, im August’89 begann Reininghaus mit seinem Soloprojekt THE UNIMPORTANT THINGS (…) Müller trommelte in diversen Bands, auch Kaiser blieb immer irgendwie im musikalischen Bereich. 1995 spielten Kaiser und Reininghaus gemeinsam den Song So Lonely ein (auf dem UNIMPORTANT THINGS Album Voices von 1997 veröffentlicht). Im Herbst des gleichen Jahres ergab es der Zufall, dass die drei für einen kurzen Augenblick gemeinsam bei einer Session in Leipzig auf der Bühne waren.“



Zum ersten Mal das Debüt-Tape auf CD, komplett restauriert & remastered!

Aufgenommen Ende 1987 und Anfang 1988 in Leipzig.

Die Songs hören kann man hier:

http://www.reverbnation.com/rdmusic



Band Members & Instruments:
Kai "Kaiman" Mueller - Drums, B-Voc
Dirk "der Dicke" Kaiser - Bass, B-Voc, Saxofon
Cairo Reininghaus - Vocal, Guitars

Origin: Europe - Germany Germany - Berlin

Homepage: http://www.die-anderen-bands.de/realdeal.html




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THE REAL DEAL

Songs
THE GIRLTHE GIRL (2:08)
WHY'M NOTWHY'M NOT (1:54)
SAVE MY SOULSAVE MY SOUL (3:14)
NOBODY IS PERFECTNOBODY IS PERFECT (3:18)
MY OPINIONMY OPINION (4:42)



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